Hey Frühling, ich kann dich gut riechen!

… aber warum eigentlich? Liegt hier wirklich etwas in der Luft?

Kaum blitzen die ersten Sonnenstrahlen kraftvoll durch die graue Winterwolkendecke, tut sich et was um uns herum. Nicht nur, dass das Licht unsere Laune und damit die Mundwinkel hebt. Auch Bienen, Hummeln und Co. treten nun wieder ihren Dienst an, die Natur erscheint von Tag zu Tag mehr in ihren gewohnt leuchtenden Farben. Moment, und… (schnupper) – können Sie es riechen? Bestimmt, denn wohl jeder kennt dieses spezielle Bouquet, das für uns synonym steht mit dem, was sich hier gerade abspielt: Der Frühling ist im Anmarsch.

Aber was genau liegt denn da jetzt in der Luft? Der renommierte Riechforscher Hans Hatt, Zellphysiologe an der Universität Bochum, erklärt, dass es sich dabei um Millionen von Duftmolekülen handelt, die freigesetzt werden, wenn die Sonne nach dem Winter erstmals wieder auf die kalte Erde trifft und feuchte Blätter und Moose aufwärmt. „Düfte nehmen wir nur besonders gut wahr, wenn‘s warm ist“, so der Wissenschaftler. Eine kalte Tomatensuppe rieche ja auch weniger aromatisch, als eine auf dem Herd. „Genauso ist es mit den Düften – wenn die Sonne kommt, werden auch sie wieder aufgeweckt.“

Und wie riecht der Lenz genau? „Das ist das Verrückte“, findet Hatt. „Wenn man den Geruch jetzt unabhängig vom Frühling riechen würde, würde man sagen ‚na, das ist ja nicht so toll‘, der riecht so ein bisschen modrig-faulig.“ Jedoch löst die Duftmischung Erinnerungen aus und diese beeinflussen unsere Stimmung, beschreibt der Forscher. Für viele sei das ein positiv aufgeladener Geruch, weil die meisten die Wärme lieben und unser Hirn ihn mit Neubeginn verknüpft. Er sagt uns: „Die Sonne kommt zurück.“

Ein Allergiker hingegen wird den Frühling laut Hatt mitunter negativ abgespeichert haben. Der Frühlingsduft ist also erlernt. Und er erscheint in den Bergen anders als an der Küste, in Deutschland anders als in China. „Jeder hat seinen eigenen Frühlingsduft, wenn man ehrlich ist!“, fasst Hatt zusammen.

In unseren Gefilden gesellt sich zu diesem typischen Geruch übrigens die betörende Note frischer Frühjahrsblüher wie Hyazinthen, Narzissen, dem Krokus oder den Schneeglöckchen. „Nach dem kalten Winter nehmen wir Gerüche im Frühjahr viel intensiver wahr“, findet auch Gärtnermeister Martin Wrede.

Viele kommen dieser Tage in die Gärtnerei, um sich mit frischen Blumen einzudecken und mit ihnen den Winter endgültig aus dem heimischen Garten zu vertreiben. Das Sortiment der Gärtnereien ist auch sehr umfangreich, sodass für jeden etwas Passendes dabei ist, um sich auszutoben. „Die Klassiker sind Stiefmütterchen und Primeln“, sagt Martin Wrede. „Aber auch Bellis und Vergissmeinnicht. Verschiedene früh blühende Stauden und Kräuter erfreuen sich ebenfalls wachsender Beliebtheit.“